Triptychon „Maria mit Kind“ - Umkreis Friedrich und Michael Pacher

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Beschreibung

Triptychon „Maria mit Kind“

Südtirol, Umkreis Friedrich Pacher (Südtirol, um 1435 – nach 1508 Bruneck)

und Michael Pacher (Tirol, um 1435 – 1498 Salzburg)

um 1475

Tafelgemälde auf Goldgrund

Mittige Tafel: Maria mit Kind umgeben von musizierenden Engeln;

Flügel innen: Hl. Katharina von Alexandrien, Hl. Barbara;

Flügel außen: Verkündigung Mariens; Inschrift auf der Außenseite

(auf der Banderole des Erzengels Gabriel): „Ave Maria Gr“

Maße geschlossen: 47,4 x 38,5 cm; geöffnet: 47,4 x 78 cm;

zentrale Tafel: 40,2 x 30,6 cm

Provenienz: J.P. Weyhe, Köln. - Achillito Chiesa, Mailand; Verkauf, Teil IV, American Art Association, New York, 23. November 1927 (2. Tag), Lot 112, als 'Kölner Schule'. - Kleinberger, New York, 1928. - William Randolph Hearst (1863-1951), Hearst Castle, San Simeon, Kalifornien. - Sammlung Drey, bis 1951. - Paula de Koenigsberg, Buenos Aires, bis 1961. -

Seit 1961 Privatsammlung.

Literatur und Ausstellungen:

Art Objects & Furnishings from the William Randolph Hearst Collection. A Catalogue Raisonné comprising illustrations of representative works, New York, 1941, S. 26, Nr. 1247-4, zentrale Tafel abgebildet als 'Master of the Holy Kinship' (Der Ältere Meister der Heiligen Sippe). 
Aufgeführt im William Randolph Hearst Archiv (Original in der Long Island University, New York), XX, S. 13, als 'The Master of the Holy Kinship'. 

AusstellungNew York: F. Kleinberger Galleries, Catalogue of a Loan Exhibition of German Primitives for the benefit of the American Red Cross, November 1928, S. 8, Nr. 12, mit Abbildung.
Buenos Aires, Museo Municipal de Arte Hispano Americano, Exposición de obras maestras, siglos XII al XVII: colección Paula de Koenigsberg, Mai-Juli 1951, S. 19, Nr. 16, als 'The Master of the Holy Kinship' (Der Ältere Meister der Heiligen Sippe), Abbildungstafel V. 
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum; Münster, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Sammlung Heinz Kisters: Altdeutsche und Altniederländische

Gemälde, 25. Juni-17. November 1963, S. 12, Nr. 57, als 'Tiroler Meister um 1480', mit Abbildungen.

Achim Simon: Österreichische Tafelmalerei der Spätgotik: der niederländische Einfluß im 15. Jahrhundert. Berlin 2002, S. 274, Abb. 45.

 

Das Triptychon mit dem zentralen Motiv der Maria mit Kind, flankiert von zwei musizierenden Engeln und den Heiligen Katharina und Barbara, entstand um 1475 im Umkreis der Südtiroler Künstler Friedrich und Michael Pacher. Das kleine, mit kostbarem Goldgrund versehene Prunkstück diente als Hausaltar zur privaten Andacht.

Im Mittelpunkt befindet sich Maria, die ihren bereits dem Säuglingsalter entwachsenen Sohn auf dem Schoß hält. Der kleine Jesus blättert auf spielerische Weise im Gebetbuch seiner Mutter und liefert damit ein bezauberndes Abbild lebhaften Kleinkindverhaltens. Diese Komposition orientiert sich an der sogenannten Durán Madonna Rogier van der Weydens (heute im Museo Nacional del Prado, Madrid), die um 1435-1438 entstand und durch Musterzeichnungen und spätere Nachfolgewerke rasch große Verbreitung unter den Künstlern der Epoche fand. Auch der Schöpfer des hier vorgestellten Flügelaltars hat sich wohl an einer dieser beliebten Vorlagen orientiert, wie die Untersuchung der Unterzeichnung nahe legt. Eine vergleichende Analyse weiterer Werke, die sich auf Rogiers Bildschöpfung beziehen, legt nahe, dass dem Maler dieses Triptychons eine Nachfolgeversion der Durán Madonna als Vorbild diente, die in vielen Details dem Original entsprochen haben muss (siehe dazu Achim Simon, 2002).

Der bislang nicht identifzierten Künstler kopierte jedoch keineswegs schlicht das Bildmotiv, sondern übertrug es souverän in seinen eigenen, stark von Friedrich und Michael Pacher beeinfussten Stil. Dabei setzte er in wesentlichen Punkten seine eigenen gestalterischen Ideen um. Während beispielsweise Mutter und Sohn bei Rogier van der Weyden beide auf das Gebetbuch blicken, sucht das Christuskind in diesem Triptychon aktiv den Blick seiner Mutter, wie um sich zu vergewissern, dass sein Spiel mit dem Buch von Maria gestattet wird. Dieser Blickwechsel hebt die natürliche Unbefangenheit des Kleinkindes hervor und betont zugleich die tiefe Verbundenheit zwischen Mutter und Sohn.

Die Innenseiten der Flügel zeigen links die heilige Katharina mit ihren Marterwerkzeugen Rad und Schwert, rechts die heilige Barbara mit Märtyrerpalme und dem Attribut des Hostienkelchs, der ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zunehmend den traditionell mit ihr assoziierte Turm ergänzte oder, wie in diesem Fall, ganz ersetzte. Die beiden heiligen Jungfrauen gehören zum Kreis der im Mittelalter und der frühen Neuzeit besonders verehrten „Nothelfer“. Die heilige Barbara wurde unter anderem zum Schutz vor einem unerwarteten Tod angerufen, die heilige Katharina galt als Fürsprecherin der Mädchen und Frauen und Patronin von Schulen und Universitäten.

Die Gesichtszüge von Mutter und Kind, aber auch der beiden Heiligen, erinnern an Südtiroler Werke aus dem Einfussbereich Michael Pachers. Auch das zarte, beinahe magere Jesuskind entspricht einem in Tirol weit verbreiteten Typus. Dagegen weist die klar strukturierte Ausführung der Körperproportionen, insbesondere die prägnante Plastizität und statische Haltung der weiblichen Heiligen, auf niederländische Einfüsse durch das populäre Vorbild hin.

In geschlossenem Zustand zeigt das Triptychon auf seiner „Werkstagsseite“ eine Verkündigungsszene, deren Stilistik noch wesentlich stärker als die Motive der „Sonntagsseite“ im Inneren auf Tirol als Entstehungsort hindeuten. Maria kniet am Betpult, den Blick demütig gesenkt, während der alterslos erscheinende Erzengel Gabriel ihr, mit der Rechten auf den Heiligen Geist weisend, die frohe Botschaft überbringt. Das feine Haar und das rundliche Gesicht mit hoher Stirn verleihen der Jungfrau eine Aura jugendlicher Unschuld, während der bauschige Faltenwurf ihres blauen Umhangs ihre königliche Würde betont.

Die Bildmotive der Muttergottes mit Kind, der weiblichen Heiligen und der Verkündigung an Maria sind nicht nur thematisch, sondern auch gestalterisch von femininer Zartheit geprägt, so dass die Vermutung nahe liegt, das Werk könnte im Auftrag einer wohlhabenden Dame geschaffen worden sein.

Dies macht das kleine Triptychon nicht nur zu einem beeindruckenden Zeugnis persönlicher Frömmigkeit im ausgehenden Mittelalter, sondern auch zu einem anschaulichen Beispiel für den regen Austausch und die weiträumige Verbreitung künstlerischer Ideen innerhalb Europas.

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